Nachrichten zu unserer Arbeit - Faire öffentliche Beschaffung

Eine Frau im Büro schaut sich Genderzeichen an. Im Hintergrund sind Arbeitsjacken.
© KI-generiert mit ChatGPT

Weltfrauentag: Wie Beschaffung Geschlechtergerechtigkeit fördern kann und sollte

Geschlechtergerechtigkeit ist kein „Nice-to-have“. Sie ist eine Voraussetzung für demokratische, nachhaltige Gesellschaften. Denn weltweit sind Frauen – und insbesondere Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen – überproportional von schlechten Arbeitsbedingungen, Diskriminierung und geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Vor allem in globalen Lieferketten, etwa in Nähereien, auf Plantagen oder in der Elektronikmontage.

Die öffentliche Hand hat hier eine besondere Verantwortung und zugleich eine starke Hebelwirkung. Wenn bei diesen Aufträgen nur der niedrigste Preis zählt, werden oft genau jene Strukturen stabilisiert, in denen Frauen ausgebeutet, bedroht oder unsichtbar gemacht werden. Werden dagegen Kriterien wie Geschlechtergerechtigkeit, Mitbestimmung und Schutz vor Gewalt in Ausschreibungen verankert, kann dies konkrete Verbesserungen für Arbeiter*innen bewirken.

Damit geschlechtergerechte Beschaffung kein leeres Versprechen bleibt, müssen wir bei bestimmten Produktgruppen genauer hinsehen – insbesondere dort, wo die Risiken besonders hoch sind. Die öffentliche Hand beschafft regelmäßig enorme Mengen solcher Produkte, etwa Textilien (z.B. Arbeitskleidung, Bettwäsche), Lebensmittel (z.B. Kaffee, Reis, Kakao, Bananen) oder IT-Produkte (z.B. Computer, Laptops, Smartphones).

In diesen Branchen arbeiten überwiegend Frauen in den unteren Stufen der Lieferkette: in Spinnereien und Nähereien, in der landwirtschaftlichen Produktion, in Verpackung und Verarbeitung oder in Zulieferbetrieben der Elektronik. Hier häufen sich Fälle von sexueller Belästigung, geschlechtsspezifischer Gewalt, Lohndiskriminierung, fehlender Mutterschutzrechte und der gezielten Behinderung gewerkschaftlicher Organisierung von Frauen. Wer Geschlechtergerechtigkeit ernst nimmt, muss deshalb die gesamte Lieferkette in den Blick nehmen – vom Feld oder der Fabrik bis zum fertigen Produkt.

Geschlechtergerecht beschaffen: Pilotprojekt Stadt Fürth

FEMNET setzt sich seit vielen Jahren für bessere Arbeitsbedingungen von Frauen in globalen Lieferketten ein und rückt dabei die Rolle der öffentlichen Beschaffung in den Fokus. 2026 begleiten wir die Stadt Fürth dabei, ein Produkt so auszuschreiben, dass Geschlechtergerechtigkeit in der Lieferkette ausdrücklich berücksichtigt wird. Konkret bedeutet das:

  1. Wir entwickeln neue Kriterien, die etwa den Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt, faire Löhne, Mitbestimmungsmöglichkeiten von Frauen oder die Förderung von Frauen in verantwortlichen Positionen sicherstellen.
  2. Wir integrieren die Kriterien rechtssicher in die Vergabeunterlagen.
  3. Wir veröffentlichen die Musterformulierungen im Kompass Nachhaltigkeit, damit weitere öffentliche Beschaffer*innen sie künftig auch für eigene Ausschreibungen nutzen können.

Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Kommunen wie Fürth zu zeigen, dass eine geschlechtergerechte Vergabe machbar ist – und Wirkung entfalten kann. Wenn öffentliche Auftraggeber*innen ihre Marktmacht nutzen, senden sie ein klares Signal an Unternehmen: Geschlechtergerechtigkeit ist nicht verhandelbar, sondern ein Qualitätskriterium! So wird aus abstrakten Gleichstellungszielen konkrete Praxis – und aus einer Bestellung ein Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit für Frauen in globalen Lieferketten.

Vormerken: Workshop geschlechtergerechte Beschaffung

Sie finden geschlechtergerechte Beschaffung ein spannendes Thema? Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.Wir merken Sie gerne vor für unser Workshopangebot im vierten Quartal 2026, wo wir die Fürther Pilotausschreibung vorstellen werden. Details folgen im Lauf des Jahres.

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